Roddie Burgess gibt interessante Anworten auf die Fragen von Stan Bowes, Präsident von EPAL, und gibt einen kritischen Überblick auf die Gefahren und Sinn des ISPM-15 Standards.
Ist der ISPM 15-Standard nicht eine Überreaktion auf ein paar kleine Nematoden in Portugal?
Ich kann Ihre Gedanken verstehen, zumal Sie ebenso wie wir in Europa ansässig sind, jedoch bitte ich zu bedenken, dass die Entwicklung des ISPM 15-Standards als Reaktion auf die Aufforderung aus der ganzen Welt erfolgte, etwas gegen die steigende Zahl an neuen Schädlingsplagen zu unternehmen, mit denen sich viele von uns befassen müssen. Die Risiken, die mit dem Transport von unbehandeltem Holz einhergehen, sind seit langem bekannt, und in vielen Ländern einschließlich dem Vereinigten Königreich bestehen seit vielen Jahren Einfuhrbestimmungen für Holzblöcke sowie für Schnittholz; die Lieferungen sind mit phytosanitären Zertifikaten ausgestattet und werden sowohl vor der Ausfuhr als auch zum Zeitpunkt der Einfuhr einer pflanzengesundheitlichen Kontrolle unterzogen. Die Verpackung von Holz war weitgehend nicht reglementiert, und es war oftmals unmöglich, diese zu kontrollieren – insbesondere galt dies für das aus Holz bestehende Zwischenpackmaterial, welches vielfach an Bord des Schiffes verblieb oder aber am Kai bzw. am endgültigen Bestimmungsort entsorgt wurde. Etwaige vorhandene Schädlinge (und oftmals gab es welche) konnten wahrlich unbehelligt entkommen und sich einen neuen Ort zur Vermehrung suchen. Die Situation in Portugal würde ich außerdem kaum als “ein paar kleine Nematoden” bezeichnen. Die Anzahl an Kiefern, die gefällt wurden, seitdem dieses Phänomen im Jahre 1999 erstmals entdeckt wurde, geht in die Millionen. Die Kiefernholznematode hat sich vom Ort des Ausbruchs in Setubal weit über das Land ausgebreitet und ist erst kürzlich in Madeira gefunden worden, und das trotz der Bemühungen um Eindämmung. Ein einzelner befallener Baum wurde 2008 auch in Spanien gefunden. Dort mussten viele Tausend Kiefern vernichtet werden, um den Schädling auszurotten. Die Domino-Effekte sind ebenfalls von größerem Ausmaß: Auswirkung auf die Umwelt, Verlust von Lebensraum für Wild, und ich könnte hier noch weitere Punkte nennen.
Worin bestehen die zahlreichen Gefahren von unbehandeltem Verpackungsmaterial?
Fangen wir bei dem höchsten Risikofaktor an und werfen einen Blick auf das Zwischenpackmaterial. Bestenfalls mag es sich hier um komplett quer gesägte Längsstücke von Holz handeln, die als Blöcke oder Keile verwendet werden. Im ungünstigsten Fall sind es jedoch längliche Holzblöcke, die von befallenen Bäumen stammen; diese weisen noch die gesamte Baumrinde auf und beherbergen Hunderte von flugfähigen Borkenkäfern oder Bockkäfern. Als niedrigsten Risikofaktor haben wir Paletten, die den handelsüblichen Standards entsprechen, wie etwa diejenigen, die EPAL verwendet, wo die Gefahr des Vorhandenseins von Schädlingen sehr viel geringer ist. Im mittleren Bereich gibt es eine Reihe weiterer Verpackungsmaterialien wie etwa Boxen, Lattenkisten und Kabeltrommeln, die möglicherweise keinerlei Form von Qualitätsstandards unterliegen und die unter Umständen nur zur einmaligen Verwendung bestimmt sind und dann entsorgt werden. Hier können sich jegliche Arten von Schädlingen verborgen halten. Einige dieser Verpackungsprodukte können ihren Lebenszyklus natürlich in schädlingsfreiem Zustand beginnen und dann irgendwo unterwegs mit Hilfe irgendeines gerade griffbereiten, möglicherweise befallenen Holzgegenstandes wieder ausgebessert werden.
Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptvorteile für Verwender von Paletten bei einem System, bei dem alle neu produzierten Paletten behandelt werden?
Ich nehme an, Sie meinen mit „behandelt“, dass es um eine Behandlung gemäß der ISPM 15-Spezifikationen geht? Dies bedeutet, dass alles aus der Produktion, was in den Umlauf gelangt, als sicher gilt, was das Risiko eines Schädlingsbefalls angeht. Sofern sich kein unbehandeltes Verpackungsmaterial in der Produktionskette befindet, gibt es keinen Platz für irgendwelche Fehler, und auch die Kunden werden in diesem Punkte beruhigt. Man muss bedenken, dass in einem Fall, bei dem einer Importlieferung die Einfuhr über eine nationale Grenze hinaus aufgrund von nicht vorschriftsgemäßem Verpackungsmaterial verweigert wird, die entstehenden Kosten in der Regel zu Lasten der Speditionsfirma oder des Exporteurs gehen und nicht zu Lasten des Herstellers des Verpackungsmaterials; und diese Kosten können jedes Mal bis zu mehreren Tausend Dollar betragen. Die Speditionsfirmen müssen dem Verpackungsmaterial, das sie verwenden, vertrauen können.
Glauben Sie, dass man den Standard länderübergreifend in Europa vorschreiben wird?
Hier stellt sich nicht die Frage, ob das geschieht, sondern vielmehr, wann es geschieht. Es trifft durchaus zu, dass die Auswirkungen der Kiefernholznematode in Portugal in diesem Zusammenhang den hauptsächlichen Anlass bilden, doch ist dies nicht der einzige Grund, warum zum Beispiel ich diesen Punkt unterstütze. Großbritannien ist ein Inselstaat, und derzeit sind wir noch frei von Schädlingen, die auf dem Festland bereits entdeckt wurden; dies trifft zum Beispiel auf einige Borkenkäferarten zu, die erhebliche Auswirkungen hätten, falls sie in unseren Fichtenwäldern Fuß fassen würden. Seit Jahrzehnten schreiben unsere Richtlinien vor, dass Holzverpackungsmaterialien entweder frei von Rinde oder aber ofengetrocknet sein müssen, bevor sie importiert werden. Die meisten Leute scheinen dies jedoch inzwischen wieder vergessen zu haben, weil sie denken, dass es gar keine Vorschriften gibt, zumal der ISPM 15-Standard hier nicht gilt.
Warum sind Sie der Meinung, dass es zur verbindlichen Durchsetzung des IPPC-Standards* keine Alternativen gibt?
Der ISPM 15-Standard ist der einzige Standard, der momentan weltweit benutzt wird, und wie ich soeben erwähnte, wird von vielen Seiten angenommen, dass es keinerlei Auflagen geben kann, sofern es keine Anforderungen gemäß ISPM 15-Standard gibt. Es würde schlichtweg keinen Sinn machen, zum Beispiel zu versuchen, nur für die Verwendung innerhalb des Bereiches der EU eine alternative Regelung einzuführen. Die Mehrzahl der Paletten wird für eine langlebige und wiederholte Verwendung entwickelt, und es wäre einfach nicht sinnvoll, getrennte Lagerbestände an Paletten für den weltweiten Gebrauch einerseits und für die Verwendung bei einigen wenigen Kunden (die wahrscheinlich die Paletten ohne große Scherereien immer wieder benutzen möchten) zu führen.
Gibt es irgendwelche kostengünstigeren Behandlungsformen, die untersucht werden?
Ja, insbesondere mit dem Verschwinden von Methylbromid in vielen Teilen der Welt ist man überall – bitte verzeihen Sie den Ausdruck – „heiß/scharf“ darauf, alternative Behandlungsmöglichkeiten zu finden. Bis zur Genehmigung mag es noch einige Zeit dauern, doch ich weiß, dass es eine Reihe von Behandlungen gibt, die näher untersucht werden; das Vereinigte Königreich beispielsweise arbeitet zusammen mit Partnern in den USA, in Kanada sowie in Italien an der Vorbereitung einer Einreichung über die Nutzung von Mikrowellen-Technologie. Wir haben dies Ende letzten Jahres angemeldet, und es sieht recht vielversprechend aus.
Wird die globale Erwärmung zu einem erhöhten Risiko der Invasion von unbekannten Arten führen?
Leider deuten die Anzeichen darauf hin, dass dies der Fall sein wird. Zum Beispiel haben wir hier in den letzten Jahren die Ausbreitung des Eichen-Prozessionsspinners vom Festland aus, wo er sich über die Jahre stetig in nördliche Richtung bewegt hat, in einige Teile Londons beobachtet. Die Kiefernholznematode ist ebenfalls dafür bekannt, dass sie sich in wärmeren Klimazonen wohlfühlt, und auch wenn ich nicht glaube, dass wir uns auch nur annähernd am Rande eines Baumsterbens befinden (oder: ..., dass wir auch nur annähernd vor dem Risiko eines Baumsterbens stehen), so könnte der Schädling mit Sicherheit überleben und liefert wahrscheinlich in anderen Teilen der Welt, wo man zuvor die Gefahr eher als grenzwertig ansah, in zunehmendem Maße Anlass zur Sorge.
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